Läufigkeit und Scheinträchtigkeit sind keine Krankheiten

Leider glauben immer noch ein Großteil der Hundehalter, dass die Läufigkeit einer Hündin und die anschließende Scheinträchtigkeit etwas „Anormales“ bei ihrer Hündin seien. Die Aufklärung durch Tierärzte findet hier nur wenig statt. Im Gegenteil, es wird oft als pathologisch dargestellt, damit eine anschließende Kastration folgen kann. Oftmals werden den Hündinnen auch Depressionen oder störende Verhaltensveränderungen angedichtet, welche jedoch völlig normale Reaktionen darstellen.

Keineswegs möchte ich allen Tierärzten diese Unfähigkeit bzw. ein rein wirtschaftliches Denken unterstellen, nur leider sind es noch viel zu Wenige, die eine tiergerechte Aufklärung leisten.
Nun möchte ich Ihnen einfach mal in kurzen Worten erklären, was bei einer Läufigkeit sowie einer Scheinträchtigkeit in Ihrem Hund passiert, warum dies so ist und wie Sie mit gemeinsam diese Zeit so schön wie möglich durchleben können.
Die erste Läufigkeit setzt bei einer gesunden, jungen Hündin zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat ein. Wenn Ihre Hündin jedoch erst mit 18 Monaten den ersten Blutstropfen verliert, ist das keineswegs schlimm, denn auch in der Hundewelt gibt es Spätsünder. Als Hundehalter bemerken Sie meist schon einige Tage zuvor, dass sich bei der Hündin etwas verändert. Sie lässt mehr als Urin oder hebt gar das Bein beim Urinieren. Diese Hündinnen beginnen meist instinktiv zu markieren. Die Veränderung im Körper führt auch manchmal zu leichtem Stress, so dass man vermehrtes Aufreiten auf Kuscheltiere oder Kissen beobachten kann.

Die erste Phase der Läufigkeit, auch Vorbrunst genannt, ist die Zeit, in der die Hündin blutigen Ausfluss hat. Man bemerkt das große Interesse der Rüden, kann jedoch beobachten, dass die Hündin auf diese zickig und mit Bellen oder Beißen reagiert. Diese Phase hält im Durchschnitt 9-17 Tage an und variiert von Hund zu Hund. Höschen sollten vermieden werden, damit die junge Dame lernt, sich selber sauber zu halten. Zudem bieten sie einen Nährboden für Bakterien. Auf Liegeplätze kann man alte waschbare Decken legen.

In der zweiten Phase (die Brunst) wird der Scheidenausfluss wässriger und die „Hitze“ der Hündin beginnt. In dieser Zeit sollte die kleine Lady unbedingt an der Leine geführt werden, da Sie sonst Gefahr laufen, dass Ihnen die Hündin ausbüchst, um nette Herren zu finden, die sie beglücken könnten. Sie erkennen den Beginn der sogenannten „Stehtage“ daran, dass bei der Annäherung eines Rüden sich die Rute der Hündin zur Seite dreht.

Das Verhalten der Hündinnen ist in der ersten und zweiten Phase sehr unterschiedlich. Die Einen vergessen ihre gute Erziehung, lassen sich nicht mehr abrufen und laufen weg, während die Anderen sehr anhänglich und verschmust werden. Sie schlafen mehr und wirken faul oder melancholisch. Einige wenige Hündinnen sind ruhe- und rastlos, wechseln permanent den Liegeplatz und eine weitere Gruppe lässt sich die Läufigkeit nicht mal anmerken und verhält sich, als wenn nichts wäre.

In der dritten Phase, der Nachbrunst, sind die Anzeichen der Läufigkeit kaum noch sichtbar. Einzig werden Sie durch hormonelle Veränderungen auch einige Veränderungen im Verhalten der Hündin erleben. Der Körper produziert nun eine ganze Menge Progesteron, welches die Hündin im Falle einer Deckung benötigt, damit der Embryo sich einnisten kann. Bei nicht gedeckten Hündinnen wird dieses Hormon ebenso produziert und sorgt dafür, dass nach rund 60 Tagen (zum eigentlichen Zeitpunkt des Wurfes) sich Symptome einer Scheinträchtigkeit oder Milcheinschuss zeigen.

Auch dieser Ablauf ist stets normal und stellt keinen Grund zur Sorge dar. Die Scheinträchtigkeit diente früher in den Wolfsgruppen dazu, dass nicht gedeckte Hündinnen später auch andere Wolfskinder mit säugen konnte. Heutzutage sind meist kleinere Rassen betroffen als Große und zeigt sich nicht mehr bei jedem Hund.

Woran erkennen Sie, dass Ihre Hündin gerade die Phase der Scheinträchtigkeit durchlebt? Sie beginnt, Kuscheltiere oder Spielzeug zu horten und zu bemuttern. Sie möchte den „Kindern“ ein Nest bauen und diese auch hin und wieder verteidigen.
Manche Hündinnen wirken dabei recht ruhelos, andere wiederum verweigern auch das Futter.
Am Körper können Sie erkennen, dass das Gesäuge geschwollen ist und die Milchdrüsen ein Sekret absondern.

Wie können Sie Ihre Hündin in der Scheinträchtigkeit unterstützen?

Damit diese Zeit so kurz aber auch so angenehm wie möglich gehalten wird, entfernen Sie jegliches Spielzeug und Kuscheltiere, welche die Hündin als Kind ansieht. Vermeiden Sie, dass die Hündin Höhlen oder Nester baut und unterbinden Sie, wenn diese sich am Gesäuge leckt. Denn dadurch wird unerwünschter Milcheinschuss produziert. Idealerweise können Sie viel Zeit mit der kleinen Dame an der frischen Luft verbringen. Auf das Bauchkraulen sollte in dieser Zeit verzichtet werden, da dies die Milchproduktion anregt.

Vorbeugend können Sie Himbeerblätter, frisch oder getrocknet, ab dem ersten Tag der Läufigkeit mit ins Futter tun. Himbeerblätter wirken reinigend und durchblutungsfördernd und helfen dem Körper, sich nach nach der Läufigkeit schneller zu regenerieren. Sie beugen zudem einer Gebärmutterentzündung einige Wochen nach der Läufigkeit vor.
Hündinnen, die ihre Wunschkinder vermissen, können mit Bachblüten unterstützt werden. Hierbei sollte jedoch nicht wahllos experimentiert werden, sondern über einen Heilkundler eine Mischung für Ihre Hündin zusammen gestellt werden.

Als guten Tipp für einschießende Milch empfehle ich kühle Quarkwickel. Diese unterbinden den Milcheinschuss und lassen das Gesäuge abschwellen.

Weitere Tipps für diese Zeit:

Schilddrüsenuntersuchungen sollten erst nach der Scheinträchtigkeit durchgeführt werden, da die Blutwerte sonst verfälscht werden können. Genauso auch sind Untersuchungen der Patella ungünstig, da die Hormone dafür sorgen, dass das Bindegewebe weicher ist und sich ggf. etwas Wasser einlagert. Somit sind eindeutige Röntgendiagnosen kaum möglich. Auch Impfungen sollten nicht gemacht werden, da der Körper mit den hormonellen Veränderungen bereits genug zu tun hat und eine Impfung da einfach zu viel werden kann.

In der Zeit der Hitze sollten die Hundedamen nicht in Tümpeln oder Seen baden gehen, sonst laufen Sie Gefahr einer unschönen Infektion.

Schauen Sie nach rund 9-10 Wochen nach der Läufigkeit einfach mal nach, ob Ihre Hündin Ausfluss hat. Hier sollte bei dem Verdacht einer Gebärmutterentzündung ein Tierarzt aufgesucht werden.

Rund 3 Monate nach der Läufigkeit verlieren viele Hunde eine Menge Unterwolle. Kein Grund zur Sorge, das ist völlig normal.

Achtung vor Medikamenten, die den Hormonhaushalt beeinflussen! Tierärzte geben gerne einen Hauf solcher Mittel, ohne jedoch dem Tierhalter mitzuteilen, dass diese Medikamente auf das Stammhirn wirken und ggf. Aggressionen bei den Hündinnen auslösen. Diese Reaktionen führen dann dazu, dass die Diagnose „aggressive Verhaltensveränderungen“ vom Tierarzt als Grund für eine teure Kastration gestellt wird.

Achten Sie bitte immer darauf, dass Ihre Hündin nur dann eine solche Operation durchlaufen sollte, wenn es wirklich körperliche Veränderungen / Beeinträchtigen gibt.

Mit Homöopathie und einer leichten Ernährungsumstellung (Eiweiß reduzieren, Ballaststoffe erhöhen) können die Symptome einer Scheinträchtigkeit schnell behoben werden. Ebenso empfehle ich Aromatherapien mit Ihrem Hund. Das hilft nicht nur ungemein, sondern macht Spaß und stärkt die Bindung.

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